KI zur Workloads-Reduktion
Wer – wie ich – damit hadert, angesichts des Aufwands schülerfreundliche Lösungen für z.B. Klassenarbeiten oder Arbeitsblätter zu verfassen, dem möchte ich hier demonstrieren, wie man dies mit der kürzlich veröffentlichten neuen Version des in ChatGPT integrierten Bildgenerators von OpenAI quasi nebenher erledigen kann.
Welchen Anforderungen sollte eine ausgearbeitete Lösung genügen, um als „schülerfreundlich“ zu gelten? Drei Kriterien liegen auf der Hand:
- Sie sollte in der Notation gehalten sein, die die Schüler selbst verwenden.
- Wo es didaktisch sinnvoll ist, empfiehlt sich eine Anreicherung um zusätzliche Erklärungen, um es den Schülern zu ermöglichen, eigenständig daraus zu lernen.
- Falls es sich um vorstrukturierte Aufgaben handelt, bei denen die Lernenden ihre Ausarbeitungen in entsprechende Felder eintragen, sollte dieses Layout der besseren Orientierung wegen nach Möglichkeit beibehalten werden.
Ein Beispiel
Ein Beispiel aus einer meiner Klassenarbeiten für eine 6. Klasse:

Diesen Screenshot habe ich dem Chat-Bot zur Verfügung gestellt und in einem zusätzlichen Prompt nach einer Reproduktion des Bildes mit einer handschriftliche Ausarbeitung der Lösung in blauer Tinte verlangt, zusammen mit dem Hinweis, das ursprüngliche Layout unangetastet zu lassen. Hier ist das Ergebnis:

Mathematisch einwandfrei, mit den Lösungen an der richtigen Stelle. Schön.
Schwachpunkt Geometrie
Geometrische Interpretationen bzw. Konstruktionen zählen zwar weiterhin zu den Schwachstellen des Modells, so dass man mitunter nachsteuern muss. Nichtsdestotrotz lassen sich auch hier inzwischen erfreuliche Resultate erzielen.
Bei der folgenden Aufgabe, die meine Achtklässler ausrechnen mussten, hatte ich der KI bei Teil a) die Maße des Dreiecks und des Parallelogramms mitgeteilt und sie aufgefordert, die Skizze auch zu beschriften. Teil b) konnte das System jedoch so vollständig lösen.

Hier hatte der Generator dennoch das Layout verändert, denn ursprünglich sah die Aufgabe bei Teil a) so aus:

Dass es gerade bei geometrischen Figuren nicht immer so zufriedenstellend abläuft, zeigen die nächsten Beispiele:

Der zweite Versuch war nicht besser.

Ergänzende Ideen
Wer den Schülern solche Lösungen für Berichtigungen zur Verfügung stellt und ein gedankenloses Abschreiben verhindern möchte, kann die KI damit beauftragen, bestimmte Teile der Lösung mit „Tipp-Ex“ unkenntlich zu machen, um auf diese Weise eine Art Lückentext zu generieren:

Die Endergebnisse sollten meines Erachtens jedoch stets sichtbar bleiben, um ein besseres Abgleichen zu ermöglichen.
Hier hat die Maschine übrigens den zur Verfügung gestellten Platz aus eigenem Antrieb in zwei Spalten unterteilt, und sich ansonsten politisch neutral verhalten.
Fazit
Die mögliche Zeitersparnis, die die Fortschritte bei den Bild-Generatoren bieten, liegen auf der Hand, was umso erfreulicher ist, wenn man bedenkt, wie bedenklich knapp und auch fehlerhaft häufig Lösungen sind, die die Schulbuchverlage für ihre Aufgabensammlungen anbieten.
Für mich hat sich als produktiv erwiesen, den Chat-Bot in ein separates Browser-Fenster zu packen, entweder minimiert oder auf den zweiten Monitor meines Computers, um die maschinelle Erstellung wirklich nebenläufig zu halten, und dabei andere Dinge zu erledigen (schöne Grüße an mein überquellendes Email-Postfach).
Wenn jedoch die Lehrkraft sich zunehmend maschinell erstellter Lösungen bedient, drängt sich angesichts des Vorbildcharakters desselben die Frage auf, welche langfristigen Auswirkungen dies auf der Arbeitseinstellung der Schüler haben könnte: Warum – so die naheliegende Erwägung dieser – sollte ich mir die Mühe machen, diese Aufgaben selbst auszuarbeiten, wenn nicht einmal mein Lehrer dies noch tut?
