Werbetrommelwirbel: Benedikt Wisniewski

Stimme der Vernunft im deutschen Bildungsdiskurs

Kennzeichnend für Diskussionen rund um praktische Fragen, worauf Schule wert legen und wie sie organisiert sein sollte, sind hierzulande die überwiegend erfahrungsbasierten Argumentationen à la „Meiner Meinung nach…“, die nicht nur Gespräche im Lehrerzimmer prägen, sondern in einem erheblichen Umfang auch Bildungs-Podcasts und pädagogische wie didaktische Literatur. Wirklich belastbare Evidenz, die wissenschaftlichen Ansprüchen und damit einer gewissen Objektivität und Zuverlässigkeit genügen würde, ist ausgesprochen rar.

Eine wohltuende Ausnahme im deutschsprachigen Diskurs stellt Dr. Benedikt Wisniewski dar, Schulpsychologe aus Bayern, der sehr konsequent empirisch abgesicherte Befunde als Grundlage schulischen Handelns hervorhebt.

Er tut dies in mehreren Büchern und Artikeln sowie in nun zwei Podcasts, die samt und sonders uneingeschränkt empfehlenswert sind und im Folgenden aufgelistet werden:

Podcast: Psychologie fürs Klassenzimmer

Bestehend seit ca. 3 Jahren, stellt Wisniewski in jeder der inzwischen knapp vierzig Folgen ausgewählte Forschungsaufsätze vor, diskutiert elaboriert, aber dennoch gut verständlich die zugrunde liegende Methodik sowie die in den Studien beobachteten Resultate, wobei er gekonnt die Brücke zwischen Theorie und Praxis, indem er stets auf konkrete schulische Implikationen eingeht.

Buch: Weniger macht Schule

Erschienen 2025, nimmt dieses Buch Verfahren der sogenannten „De-Implementierung“ wenig sinnvoller, aber zeitraubender Tätigkeiten des Lehrer-Alltags in den Blick, von welchen es – wie wir alle wissen – mehr als genug gibt.
Eine aktuelle Buchkritik findet sich auf spektrum.de.

Buch: Psychologie für die Lehrerbildung

Gedacht für angehende Lehrer; man kann es jedoch fraglos auch dann mit großem Gewinn lesen, wenn man sein Referendariat bereits lange hinter sich hat.

Podcast: Kompass KI

Ein weiterer Podcast, bei dem Wisniewski seit letztem Herbst zusammen mit dem Lehrer Hendrik Haverkamp Studien speziell zum Thema Künstliche Intelligenz aufs Korn nimmt. Recht unterhaltsam.

Fachartikel: Wie Schule Kompetenzen fördern soll, die keine sind

Eine sehr interessante kritische Auseinandersetzung – eigentlich eine Abrechnung – mit dem sog. 4K-Modell der OECD. Zusammen mit Martin Daumiller verfasst. Frei verfügbar ist offenbar eine Vorab-Version unter diesem Link.


Wieder nichts gelernt?

Wieder nichts gelernt?

Der langfristige Effekt des Informatik-Unterrichts in der Erprobungsstufe

Die diesjährigen Informatik-Differenzierungs-Kurse in der 9. Jahrgangsstufe sind bei uns die ersten, die im Vergleich zu den Vorjahrgängen allesamt das Pflichtfach Informatik (hier die damalige Pressemitteilung vom MSB) in der Erprobungsstufe, also in den Klassen 5 und 6, durchlaufen hatten. (Ich hatte bereits hier darüber geschrieben.) Somit haben sämtliche Teilnehmer Vorkenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit Computern, die man bei unseren Schülern vorher nicht erwarten konnten. Andererseits lag dieser Informatik-Unterricht bereits wieder einige Jahre zurück. Wie würde sich das auf den Informatik-Unterricht auswirken?

Wie ich mich erinnere, begann ich den Kurs im August aufgrund dessen mit einer gewissen Nervosität. Würde es auf den Versuch hinauslaufen, dass ich den Schülern Dinge erklären versuchte, die diese schon längst kannten, um dann als Reaktion mühsam undrücktes Gähnen zu ernten? Würden sie ob des geringen Niveaus belustigt miteinander tuscheln, wenn ich meine Unterrichtsmaterialien nicht umfassend überarbeiten würde? Ich teilte ihnen daher vorsichtshalber gleich mit, dass ich häufiger nachfragen würde, ob sie dieses oder jene schon könnten und wir ggf. manche Aspekte des alten Curriculums schneller durchlaufen, wenn nicht gleich ganz überspringen würden…

Nun, da sich das erste Halbjahr dem Ende entgegenneigt, ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen: Was musste ich im Vergleich zum Vorjahr ändern, kürzen oder weglassen?

Antwort: Nichts!

Zwei Jahre Informatik-Unterricht in der fünften und sechsten Klasse haben absolut gar nichts geändert. Natürlich kann ich nicht ausschließen, dass dies eher der Handvoll Kursteilnehmern geschuldet ist (es sind ja bloß 24 Schüler). Aber aus meiner Perspektive deutet nicht darauf hin, weshalb ich nicht umhinkomme, hier einen dieser berüchtigten Fadeout-Effekte zu wittern, bei denen sich Auswirkungen von Maßnahmen nach einer gewissen Zeitspanne nicht mehr nachweisen lassen – was deren Zweckmäßigkeit somit fraglich erscheinen lässt – und die im Bildungsbereich anscheinend nicht allzu ungewöhnlich sind. Gut gemeint ist eben nicht unbedingt gut gemacht.