Küchendienst

Küchendienst

Gedanken zum WG-Feeling im Lehrerzimmer

Neulich saß ich während einer Freistunde im Lehrerzimmer, vertieft in Unterrichtsvorbereitungen für meine Sechstklässler, als mich eine Kollegin ansprach und darauf hinwies, dass ich für diese Woche zum Küchendienst eingeteilt war. Beflissen ließ ich mein Notebook stehen, trottete in die Küchenecke und begann damit, die Spülmaschine auszuräumen.

Ich hätte in der Zeit auch meinen Unterricht gut vorbereiten können – aber hey, wozu gibt es das Schulbuch?

Früher übernahm eine bezahlte Reinigungskraft die Pflege der Küche, damit die Lehrkräfte unserer Institution sich auf ihre Kerntätigkeiten konzentrieren konnten – aber das war wohl zu teuer.

Man kann argumentieren, dass es nur recht und billig ist, wenn die Lehrkräfte die nur von ihnen genutzte Küche auch selbst in Schuss halten, wenn auch meines Wissens dies in der freien Wirtschaft so eher nicht gehandhabt wird. Im Bildungswesen gelten aufgrund der knappen finanziellen Mittel andere Maßstäbe. Wobei mir da noch ein prima Einspar-Vorschlag in den Sinn kommt: Die Lehrertoiletten werden doch auch nur von den Lehrern verwendet…

Werbetrommelwirbel: Benedikt Wisniewski

Stimme der Vernunft im deutschen Bildungsdiskurs

Kennzeichnend für Diskussionen rund um praktische Fragen, worauf Schule wert legen und wie sie organisiert sein sollte, sind hierzulande die überwiegend erfahrungsbasierten Argumentationen à la „Meiner Meinung nach…“, die nicht nur Gespräche im Lehrerzimmer prägen, sondern in einem erheblichen Umfang auch Bildungs-Podcasts und pädagogische wie didaktische Literatur. Wirklich belastbare Evidenz, die wissenschaftlichen Ansprüchen und damit einer gewissen Objektivität und Zuverlässigkeit genügen würde, ist ausgesprochen rar.

Eine wohltuende Ausnahme im deutschsprachigen Diskurs stellt Dr. Benedikt Wisniewski dar, Schulpsychologe aus Bayern, der sehr konsequent empirisch abgesicherte Befunde als Grundlage schulischen Handelns hervorhebt.

Er tut dies in mehreren Büchern und Artikeln sowie in nun zwei Podcasts, die samt und sonders uneingeschränkt empfehlenswert sind und im Folgenden aufgelistet werden:

Podcast: Psychologie fürs Klassenzimmer

Bestehend seit ca. 3 Jahren, stellt Wisniewski in jeder der inzwischen knapp vierzig Folgen ausgewählte Forschungsaufsätze vor, diskutiert elaboriert, aber dennoch gut verständlich die zugrunde liegende Methodik sowie die in den Studien beobachteten Resultate, wobei er gekonnt die Brücke zwischen Theorie und Praxis, indem er stets auf konkrete schulische Implikationen eingeht.

Buch: Weniger macht Schule

Erschienen 2025, nimmt dieses Buch Verfahren der sogenannten „De-Implementierung“ wenig sinnvoller, aber zeitraubender Tätigkeiten des Lehrer-Alltags in den Blick, von welchen es – wie wir alle wissen – mehr als genug gibt.
Eine aktuelle Buchkritik findet sich auf spektrum.de.

Buch: Psychologie für die Lehrerbildung

Gedacht für angehende Lehrer; man kann es jedoch fraglos auch dann mit großem Gewinn lesen, wenn man sein Referendariat bereits lange hinter sich hat.

Podcast: Kompass KI

Ein weiterer Podcast, bei dem Wisniewski seit letztem Herbst zusammen mit dem Lehrer Hendrik Haverkamp Studien speziell zum Thema Künstliche Intelligenz aufs Korn nimmt. Recht unterhaltsam.

Fachartikel: Wie Schule Kompetenzen fördern soll, die keine sind

Eine sehr interessante kritische Auseinandersetzung – eigentlich eine Abrechnung – mit dem sog. 4K-Modell der OECD. Zusammen mit Martin Daumiller verfasst. Frei verfügbar ist offenbar eine Vorab-Version unter diesem Link.


Alles Müll, oder?

Alles Müll, oder?

Eine Geschichte zum Wegschmeißen

Zu den Aufgaben einer Schule gehört neben vielen anderen Dingen auch, den Schülern einen bewussten Umgang mit Abfällen nahezubringen. Und wo der Idealfall – die Müllvermeidung -, keine Option darstellt, ist die zweitbeste Option natürlich die Mülltrennung. Dazu sollten in jedem Klassenraum drei Mülleimer stehen: Für Papier, Verpackungen und Restmüll.

Neulich fiel mir auf, dass in etlichen der Räume, in denen ich unterrichte, einer oder mehrere dieser Eimer fehlten. Ich fasste also den Vorsatz, jeweils zum Unterrichtsbeginn Schüler zum Hausmeister zu schicken, um dies zu ändern.

Was simpel klingt, zog sich tatsächlich über mehrere Wochen hinweg, denn allzu oft vergaß ich meinen Vorsatz einfach selbst, da die Mülleimer ja unauffällig in einer Ecke stehen und – im Gegensatz zu den Schülern – nicht um Aufmerksamkeit buhlen. Schickte ich dann doch mal einen Schüler los, kam dieser oftmals mit leeren Händen wieder, weil der Hausmeister gerade nicht anzutreffen war.

Doch schließlich war es geschafft: Mülleimer überall dort, wo sie sein sollten. Zufrieden saß ich an diesem Tag nach Unterrichtsschluss noch eine Weile im Klassenraum, einige liegen gebliebene Mails abarbeitend, als eine der Frauen vom Reinigungsteam hereinschaute. Während wir einige freundliche Worte wechselten, kippte sie erst die Inhalte zweier der Mülleimer in den dritten, um dergestalt alles in einem einzigen großen Müllsack verschwinden zu lassen.

Da bin ich einfach sitzen geblieben.

Hi KI!

Bekanntermaßen wird der Einsatz von KI von diversen Bildungsinstitutionen eher kritisch betrachtet. Doch völlig zu Unrecht, denn diese unterschätzen offenbar gänzlich den Einfluss auf die Motivation unserer Schützlinge: Seit meine Schüler unbeschränkten Zugang zu ChatGPT & Co. haben, machen sie nämlich immer ihre Hausaufgaben!

Witz lass nach

Witz lass nach

In der letzten Unterrichtsstunde meines Mathe-Kurses in der Jahrgangsstufe EF durften die Schüler ein kleines – selbstverständlich anonymes – Online-Feedback zu meinem Unterricht ausfüllen.

Zu meinem Erstaunen nannten sie beim Item „Mein persönliches Highlight“ am häufigsten meine in den Unterricht eingestreuten Witzeleien. Noch größer war meine Überraschung, dass die Antwort „Ihre Witze“ auch am häufigsten beim Item „Mein persönliches Highleid“ genannt wurde. Offenbar entfaltet mein Humor eine polarisierende Wirkung.

Aber vielleicht hätte ich die Stunde auch einfach nicht mit der Bemerkung eröffnen sollen, dass die Schüler bald keine „EFchen“ mehr sind…

Tolle Tools?

Tolle Tools?

IServ und der Versuch eines Elternsprechzeit-Terminvergabe-Systems

Hier in Münster nutzen alle Schulen die IServ-Schulplattform für unser Netzwerk, insbesondere auch zur Kommunikation untereinander und mit der Elternschaft. Und seit Beginn dieses Schuljahres auch dafür, damit die Eltern unserer Schüler dort ihre Termine für die halbjährlich stattfindenden Elternsprechzeiten buchen können.

Beim vorletzten Mal hatten wir noch ein anderes digitales Tool dazu verwendet (siehe auch hier: Elternsprechzeiten und das Windhundprinzip), aber wie die meisten digitalen Tools für Lehrer und Schule zeichnet sich auch das Buchungsportal von IServ durch ein zentrales Element aus: Es ist nicht zu Ende gedacht!

Vermutlich rührt das daher, dass Software-Entwickler im Allgemeinen keine Lehrkräfte sind, weswegen ihnen der Praxisbezug fehlt.

Daher hier drei – aus meiner Sicht – eigentlich recht naheliegende Verbesserungsvorschläge, die allesamt auch einfach zu implementieren sein sollten:

  1. Gegenwärtig liegt der Beginn des Buchungszeitraums automatisch und unabänderlich bei 0:00 Uhr (Unsere Schule hatte diesen Lapsus bereits letzten Herbst an IServ zurückgemeldet, aber so schnell reagiert die Firma leider nicht…). Dies dürfte bei so manchen Eltern verständlicherweise für Frust sorgen, zumal ich als Mathe-Lehrer beispielsweise typischerweise binnen fünf Minuten ausgebucht bin, was zum nächsten Punkt führt:
  2. Es fehlt die Möglichkeit, die Zahl der Buchungen eines Elternteils zeitlich zu begrenzen. Aus meiner Sicht wären maximal drei Buchungen pro Stunde (und Schüler) sinnvoll. Dies würde auf Elternseite dazu führen, sich zunächst nur der brenzligen Fächer anzunehmen.
  3. Außerdem fehlt ein Vorschlagssystem für Lehrer. Entweder die Lehrkraft akzeptiert, dass die schnelleren Eltern den dringenderen Fällen die Plätze wegschnappen, oder sie vergibt – so wie ich – einen Teil der Termine durch manuelle Mail-Kommunikation, was aber einen Großteil der vermeintlichen Vorteile dieses Systems wieder zunichte macht.

Diese Liste ließe sich mit Leichtigkeit fortsetzen – aber damit wäre immerhin ein Anfang gemacht.

Werbetrommelwirbel: Mathpix

KI-gestützte Konversion mathematischer Formeln

Ich stehe häufiger vor dem Problem, dass ich – z.B. für Klausuren – mathematische Aufgaben verwenden möchte, die mir nur in Formaten zur Verfügung stehen, die sich nicht leicht bearbeiten lassen – etwa als PDF-Dateien, Bilder oder nur in gedruckter Form. In der Vergangenheit erwischte ich mich dann häufiger dabei, wie ich sie mühselig abtippte.

Jetzt überlasse ich dies einer Software namens Mathpix – zu finden unter https://mathpix.com/, welche derlei Tätigkeiten in Sekundenschnelle in beeindruckender Qualität erledigt. (Nein, ich bekomme für diese Aussagen keinerlei Geld oder dergleichen.)

Umwandlung mathematischer Inhalte in Bildform

Hier ein Beispiel: Die folgende Aufgabe stammt aus dem exzellenten Buch „Analysis anschaulich 2“ von Friedrich Barth und Gert Krumbacher auf S. 54 (zu finden unter http://www.eumenides.de/), welches unter einer Creative-Commons-Lizenz in PDF-Form veröffentlicht wurde.

In der Mathpix-App  kann davon ein Screenshot erstellt werden, in man (z.B. per Tastaturkürzel) den Auswahl-Modus aktiviert, um dann mit der Maus die Aufgabe auszuwählen. Eine Sekunde später erhält man Folgendes:

Ein Klick auf „Open DOCX“ genügt nun, um eine voll anpassungsfähige Word-Dateien zu erhalten.

Konvertierung von ChatGPT-Inhalten

Noch etwas einfacher ist es, wenn man Inhalte verwenden möchte, die ChatGPT kreiert hat. Angenommen, wir möchten ein ausführliches Beispiel für die Verwendung des Hauptsatzes der Differenzial- und Integralrechnung verwenden. ChatGPT liefert beispielsweise dies hier.

Klickt man nun auf das Kopieren-Symbol unten links, wird (Stand: 6.11.24) der komplette Inhalt, insbesondere auch die Formeln, in der sogenannten Markdown-Codierung gespeichert, mit dem weder Word noch OneNote allzu viel anfangen können. Mathpix kann dies jedoch sehr einfach in eine Word-Datei konvertieren. Hierzu wählt man „Create Snip from text“ (das Tastatur-Symbol, siehe nächstes Bild), aktiviert „MARKDOWN“ und fügt die ChatGPT-Inhalte in den Eingabebereich ein.

Ein Klick auf „Save“ genügt, um mit einem weiteren Mausklick eine Word-Datei abrufen zu können.

Kosten

Nachvollziehbarerweise halten die Betreiber die Hand auf, wenn man das Tool intensiv nutzen möchte, doch für eine gelegentliche Nutzung ist es kostenlos. Konkret sind 10 „Snips“ pro Monat kostenfrei, wobei sich diese Anzahl verdoppelt, wenn man sich mit der Mail-Adresse einer Bildungsinstitution anmeldet – bei meiner Schul-Mail („blubblubb@annette.ms.de“) war dies so. Die Umwandlung von Markdown in Word-Dateien wird bei dieser Limitierung übrigens nicht dazugezählt.

Für die beschriebenen Einsatz-Szenarien ist dies meines Erachtens vollkommen ausreichend.

Fazit

Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es dann noch: Die Sprache wird in der Windows-App momentan nicht automatisch erkannt und muss von Hand umgestellt werden. Dies bewerkstelligt man, indem man in Word unten auf die eingestellte Sprache „Englisch (Vereinigte Staaten)“ klickt (siehe Bild unten).

In der Webversion besteht dieser Fehler nicht mehr und die Entwickler hatten mir zugesichert, diesen Fehler auch in der Windows-App zu beheben, nachdem ich sie darauf aufmerksam gemachte hatte.

Mathpix gibt es ferner auch Android und die Apple-Welt und damit für sämtliche Mobilgeräte, wodurch man auch gedruckte Mathematik-Aufgaben mittels Kamera direkt digitalisieren und konvertieren kann. Das Resultat wird dann in der Mathpix-Cloud gespeichert und kann bequem am PC abgerufen und weiterverarbeitet werden.

Zusammenfassend ist Mathpix für mich ein Tool, das so manche Aspekte meines Workflows angenehm erleichtert. Beide Daumen hoch!

Flieger über Flieger

Flieger über Flieger

Die Bilingualen und der Sport

Die Münsteraner Gymnasien befinden sich in einer privilegierten Situation, da Münster eine große Universität beherbergt und voller Akademiker ist. Das Gymnasium, an dem ich arbeite, schöpft dank einer Reihe von Angeboten, welche insbesondere bildungsaffine Eltern anspricht und für die die Schule vor einigen Jahren mit dem Deutschen Schulpreis prämiert worden ist, dabei den Rahm voll ab: Beispielsweise sitzt in der Mehrzahl der Lerngruppen mindestens ein Professorenkind.

In einem besonderen Fokus jener Bildungsinteressierten ist sicherlich der bilinguale Zweig unserer fünfzügigen Schule. Jeweils die „b“-Klasse eines jeden Jahrgangs bekommt neben dem regulären Englisch-Unterricht ein oder mehrere Fächer wie Geschichte oder Biologie komplett in Englisch präsentiert. Bei der jetzigen 9b beispielsweise, deren Klassenleitung ich mir mit einer Kollegin teile, stammt gut die Hälfte der Kinder aus Familien, in denen mindestens ein Elternteil sich mit einem Doktortitel schmücken kann.

Diese Kinder sind nach intellektuellem Leistungsvermögen selektiert. Umso überraschender ist es daher, dass sie auch sportlich überragend zu sein scheinen! Bei unserem diesjährigen Sportfest gewannen mit einer Ausnahme in jedem Jahrgang die bilingualen Klassen, meine 9b räumte sogar den Gesamtsieg der Schule ab (ich schreibe dies ohne jeden Stolz, denn als Mathe-Lehrer habe ich dazu natürlich keinen Beitrag geliefert).

Ich finde es bemerkenswert, wie stark der Mindset der Leistungsorientierung hier durchschimmert.