Zu den Aufgaben einer Schule gehört neben vielen anderen Dingen auch, den Schülern einen bewussten Umgang mit Abfällen nahezubringen. Und wo der Idealfall – die Müllvermeidung -, keine Option darstellt, ist die zweitbeste Option natürlich die Mülltrennung. Dazu sollten in jedem Klassenraum drei Mülleimer stehen: Für Papier, Verpackungen und Restmüll.
Neulich fiel mir auf, dass in etlichen der Räume, in denen ich unterrichte, einer oder mehrere dieser Eimer fehlten. Ich fasste also den Vorsatz, jeweils zum Unterrichtsbeginn Schüler zum Hausmeister zu schicken, um dies zu ändern.
Was simpel klingt, zog sich tatsächlich über mehrere Wochen hinweg, denn allzu oft vergaß ich meinen Vorsatz einfach selbst, da die Mülleimer ja unauffällig in einer Ecke stehen und – im Gegensatz zu den Schülern – nicht um Aufmerksamkeit buhlen. Schickte ich dann doch mal einen Schüler los, kam dieser oftmals mit leeren Händen wieder, weil der Hausmeister gerade nicht anzutreffen war.
Doch schließlich war es geschafft: Mülleimer überall dort, wo sie sein sollten. Zufrieden saß ich an diesem Tag nach Unterrichtsschluss noch eine Weile im Klassenraum, einige liegen gebliebene Mails abarbeitend, als eine der Frauen vom Reinigungsteam hereinschaute. Während wir einige freundliche Worte wechselten, kippte sie erst die Inhalte zweier der Mülleimer in den dritten, um dergestalt alles in einem einzigen großen Müllsack verschwinden zu lassen.
Bekanntermaßen wird der Einsatz von KI von diversen Bildungsinstitutionen eher kritisch betrachtet. Doch völlig zu Unrecht, denn diese unterschätzen offenbar gänzlich den Einfluss auf die Motivation unserer Schützlinge: Seit meine Schüler unbeschränkten Zugang zu ChatGPT & Co. haben, machen sie nämlich immer ihre Hausaufgaben!
In der letzten Unterrichtsstunde meines Mathe-Kurses in der Jahrgangsstufe EF durften die Schüler ein kleines – selbstverständlich anonymes – Online-Feedback zu meinem Unterricht ausfüllen.
Zu meinem Erstaunen nannten sie beim Item „Mein persönliches Highlight“ am häufigsten meine in den Unterricht eingestreuten Witzeleien. Noch größer war meine Überraschung, dass die Antwort „Ihre Witze“ auch am häufigsten beim Item „Mein persönliches Highleid“ genannt wurde. Offenbar entfaltet mein Humor eine polarisierende Wirkung.
Aber vielleicht hätte ich die Stunde auch einfach nicht mit der Bemerkung eröffnen sollen, dass die Schüler bald keine „EFchen“ mehr sind…
IServ und der Versuch eines Elternsprechzeit-Terminvergabe-Systems
Hier in Münster nutzen alle Schulen die IServ-Schulplattform für unser Netzwerk, insbesondere auch zur Kommunikation untereinander und mit der Elternschaft. Und seit Beginn dieses Schuljahres auch dafür, damit die Eltern unserer Schüler dort ihre Termine für die halbjährlich stattfindenden Elternsprechzeiten buchen können.
Beim vorletzten Mal hatten wir noch ein anderes digitales Tool dazu verwendet (siehe auch hier: Elternsprechzeiten und das Windhundprinzip), aber wie die meisten digitalen Tools für Lehrer und Schule zeichnet sich auch das Buchungsportal von IServ durch ein zentrales Element aus: Es ist nicht zu Ende gedacht!
Vermutlich rührt das daher, dass Software-Entwickler im Allgemeinen keine Lehrkräfte sind, weswegen ihnen der Praxisbezug fehlt.
Daher hier drei – aus meiner Sicht – eigentlich recht naheliegende Verbesserungsvorschläge, die allesamt auch einfach zu implementieren sein sollten:
Gegenwärtig liegt der Beginn des Buchungszeitraums automatisch und unabänderlich bei 0:00 Uhr (Unsere Schule hatte diesen Lapsus bereits letzten Herbst an IServ zurückgemeldet, aber so schnell reagiert die Firma leider nicht…). Dies dürfte bei so manchen Eltern verständlicherweise für Frust sorgen, zumal ich als Mathe-Lehrer beispielsweise typischerweise binnen fünf Minuten ausgebucht bin, was zum nächsten Punkt führt:
Es fehlt die Möglichkeit, die Zahl der Buchungen eines Elternteils zeitlich zu begrenzen. Aus meiner Sicht wären maximal drei Buchungen pro Stunde (und Schüler) sinnvoll. Dies würde auf Elternseite dazu führen, sich zunächst nur der brenzligen Fächer anzunehmen.
Außerdem fehlt ein Vorschlagssystem für Lehrer. Entweder die Lehrkraft akzeptiert, dass die schnelleren Eltern den dringenderen Fällen die Plätze wegschnappen, oder sie vergibt – so wie ich – einen Teil der Termine durch manuelle Mail-Kommunikation, was aber einen Großteil der vermeintlichen Vorteile dieses Systems wieder zunichte macht.
Diese Liste ließe sich mit Leichtigkeit fortsetzen – aber damit wäre immerhin ein Anfang gemacht.
Ich stehe häufiger vor dem Problem, dass ich – z.B. für Klausuren – mathematische Aufgaben verwenden möchte, die mir nur in Formaten zur Verfügung stehen, die sich nicht leicht bearbeiten lassen – etwa als PDF-Dateien, Bilder oder nur in gedruckter Form. In der Vergangenheit erwischte ich mich dann häufiger dabei, wie ich sie mühselig abtippte.
Jetzt überlasse ich dies einer Software namens Mathpix – zu finden unter https://mathpix.com/, welche derlei Tätigkeiten in Sekundenschnelle in beeindruckender Qualität erledigt. (Nein, ich bekomme für diese Aussagen keinerlei Geld oder dergleichen.)
Umwandlung mathematischer Inhalte in Bildform
Hier ein Beispiel: Die folgende Aufgabe stammt aus dem exzellenten Buch „Analysis anschaulich 2“ von Friedrich Barth und Gert Krumbacher auf S. 54 (zu finden unter http://www.eumenides.de/), welches unter einer Creative-Commons-Lizenz in PDF-Form veröffentlicht wurde.
In der Mathpix-App kann davon ein Screenshot erstellt werden, in man (z.B. per Tastaturkürzel) den Auswahl-Modus aktiviert, um dann mit der Maus die Aufgabe auszuwählen. Eine Sekunde später erhält man Folgendes:
Ein Klick auf „Open DOCX“ genügt nun, um eine voll anpassungsfähige Word-Dateien zu erhalten.
Konvertierung von ChatGPT-Inhalten
Noch etwas einfacher ist es, wenn man Inhalte verwenden möchte, die ChatGPT kreiert hat. Angenommen, wir möchten ein ausführliches Beispiel für die Verwendung des Hauptsatzes der Differenzial- und Integralrechnung verwenden. ChatGPT liefert beispielsweise dies hier.
Klickt man nun auf das Kopieren-Symbol unten links, wird (Stand: 6.11.24) der komplette Inhalt, insbesondere auch die Formeln, in der sogenannten Markdown-Codierung gespeichert, mit dem weder Word noch OneNote allzu viel anfangen können. Mathpix kann dies jedoch sehr einfach in eine Word-Datei konvertieren. Hierzu wählt man „Create Snip from text“ (das Tastatur-Symbol, siehe nächstes Bild), aktiviert „MARKDOWN“ und fügt die ChatGPT-Inhalte in den Eingabebereich ein.
Ein Klick auf „Save“ genügt, um mit einem weiteren Mausklick eine Word-Datei abrufen zu können.
Kosten
Nachvollziehbarerweise halten die Betreiber die Hand auf, wenn man das Tool intensiv nutzen möchte, doch für eine gelegentliche Nutzung ist es kostenlos. Konkret sind 10 „Snips“ pro Monat kostenfrei, wobei sich diese Anzahl verdoppelt, wenn man sich mit der Mail-Adresse einer Bildungsinstitution anmeldet – bei meiner Schul-Mail („blubblubb@annette.ms.de“) war dies so. Die Umwandlung von Markdown in Word-Dateien wird bei dieser Limitierung übrigens nicht dazugezählt.
Für die beschriebenen Einsatz-Szenarien ist dies meines Erachtens vollkommen ausreichend.
Fazit
Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es dann noch: Die Sprache wird in der Windows-App momentan nicht automatisch erkannt und muss von Hand umgestellt werden. Dies bewerkstelligt man, indem man in Word unten auf die eingestellte Sprache „Englisch (Vereinigte Staaten)“ klickt (siehe Bild unten).
In der Webversion besteht dieser Fehler nicht mehr und die Entwickler hatten mir zugesichert, diesen Fehler auch in der Windows-App zu beheben, nachdem ich sie darauf aufmerksam gemachte hatte.
Mathpix gibt es ferner auch Android und die Apple-Welt und damit für sämtliche Mobilgeräte, wodurch man auch gedruckte Mathematik-Aufgaben mittels Kamera direkt digitalisieren und konvertieren kann. Das Resultat wird dann in der Mathpix-Cloud gespeichert und kann bequem am PC abgerufen und weiterverarbeitet werden.
Zusammenfassend ist Mathpix für mich ein Tool, das so manche Aspekte meines Workflows angenehm erleichtert. Beide Daumen hoch!
Die Münsteraner Gymnasien befinden sich in einer privilegierten Situation, da Münster eine große Universität beherbergt und voller Akademiker ist. Das Gymnasium, an dem ich arbeite, schöpft dank einer Reihe von Angeboten, welche insbesondere bildungsaffine Eltern anspricht und für die die Schule vor einigen Jahren mit dem Deutschen Schulpreis prämiert worden ist, dabei den Rahm voll ab: Beispielsweise sitzt in der Mehrzahl der Lerngruppen mindestens ein Professorenkind.
In einem besonderen Fokus jener Bildungsinteressierten ist sicherlich der bilinguale Zweig unserer fünfzügigen Schule. Jeweils die „b“-Klasse eines jeden Jahrgangs bekommt neben dem regulären Englisch-Unterricht ein oder mehrere Fächer wie Geschichte oder Biologie komplett in Englisch präsentiert. Bei der jetzigen 9b beispielsweise, deren Klassenleitung ich mir mit einer Kollegin teile, stammt gut die Hälfte der Kinder aus Familien, in denen mindestens ein Elternteil sich mit einem Doktortitel schmücken kann.
Diese Kinder sind nach intellektuellem Leistungsvermögen selektiert. Umso überraschender ist es daher, dass sie auch sportlich überragend zu sein scheinen! Bei unserem diesjährigen Sportfest gewannen mit einer Ausnahme in jedem Jahrgang die bilingualen Klassen, meine 9b räumte sogar den Gesamtsieg der Schule ab (ich schreibe dies ohne jeden Stolz, denn als Mathe-Lehrer habe ich dazu natürlich keinen Beitrag geliefert).
Ich finde es bemerkenswert, wie stark der Mindset der Leistungsorientierung hier durchschimmert.
Vor gut einem Jahr erhielt ich in unserem Kollegium eine zweifelhafte Auszeichnung: Ich wurde Korrekturkönig! Anstelle einer Krone gab es zwar nur einen (Wander-)Pokal, doch damit war ich offiziell jene Lehrkraft an unserer Schule, die die meisten Klassenarbeiten und Klausuren zu bewerten hatte.
Das damit einhergehende Pensum war für mich eindeutig viel zu viel, weshalb in mir (tatsächlich bereits vor der Verleihung) der Entschluss gereift war, ab dem nächsten Schuljahr mit einem 80%igen Deputat in Teilzeit zu gehen.
Und eben dieses Schuljahr ist – man glaubt es kaum – schon wieder um, und zu meiner veritablen Überraschung wurde mir trotz meiner Reduktion erneut die Ehre zuteil, diesen Pokal entgegenzunehmen. Genauer gesagt, bin ich „bloß“ unter den Top Five, mit vier Usurpatoren muss ich leben.
Gestaffelte Terminvergabe bei den Elternsprechzeiten (vormals: Elternsprechtage)
Die Zeiten, zu denen für die Elternsprechzeiten (vormals: Elternsprechtage) Zettel mit Termin-Listen zum Eintragen unter den Schülern zirkulierten, sind glücklicherweise vorbei, denn dieses Vorgehen war zäh und zeitraubend und außerdem ungerecht, da manche eher zum Zug kamen als andere. Heutzutage erhalten die Eltern unserer Schule einen Account für eine Webseite (wir nutzen momentan dazu das Webtool „Otis“), mit deren Hilfe sie sich direkt Termine bei jenen Lehrern sichern können, mit denen sie sprechen wollen.
Wie sich herausgestellt hat, gehen mit diesem Vorgehen ganz eigene Probleme einher, wovon ich im Folgenden berichten möchte. Dazu muss man sich zwei Aspekte vergegenwärtigen: Zum einen sind manche Lehrer, insbesondere die Klassenlehrer und die Vertreter der schriftlichen Fächer, gefragter als andere, zum anderen unterrichten die meisten Lehrer mehr Schüler, als die beiden Nachmittage der Elternsprechzeiten Termine bieten.
Ich beispielsweise stehe in meiner Funktion als Klassenlehrer wie auch als Mathematik-Lehrer im Fokus der Aufmerksamkeit der Elternschaft, und meinen knapp 180 Schülern stehen bloße 29 zehnminütige Termine gegenüber (weil ich in bequemer Teilzeit bin; eine Vollzeitlehrkraft hätte 36 Termine – aber auch mehr Schüler als ich). Vor einem Jahr etwa war ich daher nach Freischaltung der Anmeldemöglichkeiten in kürzester Zeit ausgebucht, woraufhin jene Eltern, die zu spät kamen, damit begannen, mein Postfach mit Anfragen zu fluten.
Selbstredend haben auch diese Eltern ein Anrecht darauf, mit den Lehrern ihrer Kinder zu sprechen, was dann jedoch nach individueller Terminvereinbarung nach den eigentlichen Elternsprechzeiten geschah und sich über einen längeren Zeitraum hinzog. Zumal es bei solchen Gesprächen nicht bei den – im Grunde genommen viel zu knappen – 10 Minuten blieb und es sich deshalb zu einer insgesamt zeitintensiven Angelegenheit auswuchs.
Dafür hatte ich in den regulären Elternsprechzeiten Eltern sitzen, die bloß einmal den Lehrer kennenlernen wollten oder solche, deren Kinder sich ohnehin im guten bis sehr guten Leistungsniveau bewegten (manche der letztgenannten Eltern kamen natürlich mit dem sprichwörtlichen Helikopter angeflogen). Dies waren zwar im Allgemeinen die angenehmeren Elterngespräche, aber sie schnappten den dringenderen Fällen unter meinen Schülern die Plätze weg.
Da ich nicht der einzige mit diesem Problem war, schränkte die Schulleitung bei den folgenden Elternsprechzeiten die Zahl der Termine, die die Eltern am ersten Tag nach Beginn der Term-Anmeldungen auf maximal fünf ein. Womit sich nichts änderte: Ein Blick in die Anmeldelisten zeigte, dass die wenigsten Eltern sich überhaupt so viele oder gar noch mehr Termine aufbürdete auch wenn es dies freilich auch gab. Die meisten begnügten sich ohnehin mit höchstens drei Gesprächsterminen.
Für die jetzigen Elternsprechzeiten habe ich mir als Reaktion darauf eine neue, dreiteilige Strategie zurecht:
Zunächst blockte ich eine Reihe von Terminen vor Anmeldebeginn für zweierlei Zwecke. Zum einen reservierte ich Termine für jene Schüler bzw. deren Eltern, bei denen von meiner Seite aus Gesprächsbedarf bestand (Otis bietet hierfür ein Termin-Vorschlags-System), zum anderen blockierte ich eine Reihe von Terminen als Puffer.
Dann wartete ich den offiziellen Anmeldebeginn ab (ich war nach sieben Minuten ausgebucht).
Nach einigen Tagen sammelte ich die inzwischen hereingeflatterten Mails jener Eltern, die leer ausgegangen waren und sich damit nicht abfinden wollten. Diese priorisierte ich nach Dringlichkeit und nutzte die zuvor reservierten Puffer, um diesen Terminvorschläge anbieten zu können.