Zu den Aufgaben einer Schule gehört neben vielen anderen Dingen auch, den Schülern einen bewussten Umgang mit Abfällen nahezubringen. Und wo der Idealfall – die Müllvermeidung -, keine Option darstellt, ist die zweitbeste Option natürlich die Mülltrennung. Dazu sollten in jedem Klassenraum drei Mülleimer stehen: Für Papier, Verpackungen und Restmüll.
Neulich fiel mir auf, dass in etlichen der Räume, in denen ich unterrichte, einer oder mehrere dieser Eimer fehlten. Ich fasste also den Vorsatz, jeweils zum Unterrichtsbeginn Schüler zum Hausmeister zu schicken, um dies zu ändern.
Was simpel klingt, zog sich tatsächlich über mehrere Wochen hinweg, denn allzu oft vergaß ich meinen Vorsatz einfach selbst, da die Mülleimer ja unauffällig in einer Ecke stehen und – im Gegensatz zu den Schülern – nicht um Aufmerksamkeit buhlen. Schickte ich dann doch mal einen Schüler los, kam dieser oftmals mit leeren Händen wieder, weil der Hausmeister gerade nicht anzutreffen war.
Doch schließlich war es geschafft: Mülleimer überall dort, wo sie sein sollten. Zufrieden saß ich an diesem Tag nach Unterrichtsschluss noch eine Weile im Klassenraum, einige liegen gebliebene Mails abarbeitend, als eine der Frauen vom Reinigungsteam hereinschaute. Während wir einige freundliche Worte wechselten, kippte sie erst die Inhalte zweier der Mülleimer in den dritten, um dergestalt alles in einem einzigen großen Müllsack verschwinden zu lassen.
Das Wahlpflicht-Fach Informatik wird in der Schule seit eh und je von deutlich mehr Jungen als Mädchen belegt, und dies schon in der Mittelstufe. Als maßgeblicher Grund hierfür galt schon immer der Umstand, dass Technik und die Begeisterung dafür eine typisch männliche Domäne war bzw. ist.
Die wenigen Mädchen, die sich dann doch in diese Kurse – man ist versucht zu sagen: verirren –, fallen durch deutlich überdurchschnittliche Leistungen trotz geringerer Vorkenntnisse auf, was unmissverständlich zeigt, wie hoch die Hemmschwelle für ein Mädchen ist, sich für Informatik zu entscheiden.
Als mögliche Lösung dieses Umstands wurde diskutiert, ob eine frühe und insbesondere verbindliche Auseinandersetzung Vorbehalte gegenüber der Informatik bei Mädchen abbauen oder verbeugen könnte.
Unsere jetzigen Neuntklässler bilden vor diesem Hintergrund eine interessante Kohorte, denn sie gehören zum ersten Jahrgang an unserer Schule die während der Erprobungsstufe bereits zwei Jahre lang Informatik genießen durften – und zwar ausnahmslos alle. Diese Schülerinnen und Schüler konnten sich nun im Rahmen eines Wahlpflichtkurses für Informatik oder ein andere Fach (bei uns: Biochemie, Französisch, Latein, GePo (=Geschichte und Politik), KuMu (=Kunst und Musik; nein, der Name ist kein Scherz!)) entscheiden.
Der Vergleich mit dem Vorjahrgang, also die jetzigen 10. Klassen ist aufschlussreich:
Wie man sieht, sieht man keine nennenswerte Veränderung; in beiden Fällen beträgt der Mädchenanteil ungefähr ein Viertel. Dies ist natürlich nur eine kleine Stichprobe, weshalb es interessant wäre, zu erfahren, wie es NRW-weit aussieht.
Aber tatsächlich ist die Schieflage – zumindest bei uns – noch größer, denn bislang haben wir die Grundgesamt noch gar nicht betrachtet: In beiden Jahrgängen sind die Mädchen mit jeweils ca. 60% deutlich in der Mehrheit. Berücksichtigt man diesen Umstand, purzelt folgende Darstellung heraus:
Quintessenz: Nennenswerte Änderungen zwischen beiden Jahrgängen sucht man vergebens. Die Jungen entscheiden sich mehrheitlich für Informatik, jedoch nur jedes neuntes bzw. siebtes Mädchen.
Bekanntermaßen wird der Einsatz von KI von diversen Bildungsinstitutionen eher kritisch betrachtet. Doch völlig zu Unrecht, denn diese unterschätzen offenbar gänzlich den Einfluss auf die Motivation unserer Schützlinge: Seit meine Schüler unbeschränkten Zugang zu ChatGPT & Co. haben, machen sie nämlich immer ihre Hausaufgaben!
In der letzten Unterrichtsstunde meines Mathe-Kurses in der Jahrgangsstufe EF durften die Schüler ein kleines – selbstverständlich anonymes – Online-Feedback zu meinem Unterricht ausfüllen.
Zu meinem Erstaunen nannten sie beim Item „Mein persönliches Highlight“ am häufigsten meine in den Unterricht eingestreuten Witzeleien. Noch größer war meine Überraschung, dass die Antwort „Ihre Witze“ auch am häufigsten beim Item „Mein persönliches Highleid“ genannt wurde. Offenbar entfaltet mein Humor eine polarisierende Wirkung.
Aber vielleicht hätte ich die Stunde auch einfach nicht mit der Bemerkung eröffnen sollen, dass die Schüler bald keine „EFchen“ mehr sind…
IServ und der Versuch eines Elternsprechzeit-Terminvergabe-Systems
Hier in Münster nutzen alle Schulen die IServ-Schulplattform für unser Netzwerk, insbesondere auch zur Kommunikation untereinander und mit der Elternschaft. Und seit Beginn dieses Schuljahres auch dafür, damit die Eltern unserer Schüler dort ihre Termine für die halbjährlich stattfindenden Elternsprechzeiten buchen können.
Beim vorletzten Mal hatten wir noch ein anderes digitales Tool dazu verwendet (siehe auch hier: Elternsprechzeiten und das Windhundprinzip), aber wie die meisten digitalen Tools für Lehrer und Schule zeichnet sich auch das Buchungsportal von IServ durch ein zentrales Element aus: Es ist nicht zu Ende gedacht!
Vermutlich rührt das daher, dass Software-Entwickler im Allgemeinen keine Lehrkräfte sind, weswegen ihnen der Praxisbezug fehlt.
Daher hier drei – aus meiner Sicht – eigentlich recht naheliegende Verbesserungsvorschläge, die allesamt auch einfach zu implementieren sein sollten:
Gegenwärtig liegt der Beginn des Buchungszeitraums automatisch und unabänderlich bei 0:00 Uhr (Unsere Schule hatte diesen Lapsus bereits letzten Herbst an IServ zurückgemeldet, aber so schnell reagiert die Firma leider nicht…). Dies dürfte bei so manchen Eltern verständlicherweise für Frust sorgen, zumal ich als Mathe-Lehrer beispielsweise typischerweise binnen fünf Minuten ausgebucht bin, was zum nächsten Punkt führt:
Es fehlt die Möglichkeit, die Zahl der Buchungen eines Elternteils zeitlich zu begrenzen. Aus meiner Sicht wären maximal drei Buchungen pro Stunde (und Schüler) sinnvoll. Dies würde auf Elternseite dazu führen, sich zunächst nur der brenzligen Fächer anzunehmen.
Außerdem fehlt ein Vorschlagssystem für Lehrer. Entweder die Lehrkraft akzeptiert, dass die schnelleren Eltern den dringenderen Fällen die Plätze wegschnappen, oder sie vergibt – so wie ich – einen Teil der Termine durch manuelle Mail-Kommunikation, was aber einen Großteil der vermeintlichen Vorteile dieses Systems wieder zunichte macht.
Diese Liste ließe sich mit Leichtigkeit fortsetzen – aber damit wäre immerhin ein Anfang gemacht.
Für meine Unterrichtsvorbereitungen kopiere ich mir neben den Übungen, die ich meine Schüler machen lasse, immer auch die dazugehörigen Lösungen in meine OneNote-Unterrichtsseiten, um im Bedarfsfalle nicht lange suchen zu müssen. Da wir den Lambacher Schweizer an unserer Schule verwenden, stammen diese vom Klett-Verlag.
Bei der Besprechung einer etwas schwierigeren Aufgabe, die ich einer neunten Klasse im Unterricht hatte lösen lassen, meldete sich ein Schüler für Teil c) dieser Aufgabe und schrieb eine mustergültig ausgearbeitete Lösung auf. Ich war ehrlich erstaunt und lobte diesen für seine gute Arbeit.
Erst am Nachmittag fiel mir dann auf, dass seine Lösung zu 100% der Klett-Musterlösung entsprach. Kurzum: Der Schüler hatte sie im Unterricht einfach abgeschrieben, um sie daraufhin als seine eigene auszugeben.
Wie kam er dazu? Wer Google bemüht, findet die Antwort als ersten Suchtreffer:
Man kann die kompletten Lösungen des NRW-Schülerbuches des Lambacher Schweizers der 9. Jahrgangsstufe von der Klett-Webseite als PDF herunterladen; hier ist der Link (Stand 13.3.2025):
Da die gedruckte Version der Lösungen für gute 26€ verkauft wird, dürfte es sich um ein Versehen handeln. Aber der Schaden ist angerichtet – sicherlich haben die meisten meiner Schüler die PDF-Lösungen längst auf ihren iPads gespeichert und können sich ihrer jederzeit bedienen, selbst während des Unterrichts.
Ich habe Klett deswegen angeschrieben und bin auf die Reaktion gespannt.
Ich stehe häufiger vor dem Problem, dass ich – z.B. für Klausuren – mathematische Aufgaben verwenden möchte, die mir nur in Formaten zur Verfügung stehen, die sich nicht leicht bearbeiten lassen – etwa als PDF-Dateien, Bilder oder nur in gedruckter Form. In der Vergangenheit erwischte ich mich dann häufiger dabei, wie ich sie mühselig abtippte.
Jetzt überlasse ich dies einer Software namens Mathpix – zu finden unter https://mathpix.com/, welche derlei Tätigkeiten in Sekundenschnelle in beeindruckender Qualität erledigt. (Nein, ich bekomme für diese Aussagen keinerlei Geld oder dergleichen.)
Umwandlung mathematischer Inhalte in Bildform
Hier ein Beispiel: Die folgende Aufgabe stammt aus dem exzellenten Buch „Analysis anschaulich 2“ von Friedrich Barth und Gert Krumbacher auf S. 54 (zu finden unter http://www.eumenides.de/), welches unter einer Creative-Commons-Lizenz in PDF-Form veröffentlicht wurde.
In der Mathpix-App kann davon ein Screenshot erstellt werden, in man (z.B. per Tastaturkürzel) den Auswahl-Modus aktiviert, um dann mit der Maus die Aufgabe auszuwählen. Eine Sekunde später erhält man Folgendes:
Ein Klick auf „Open DOCX“ genügt nun, um eine voll anpassungsfähige Word-Dateien zu erhalten.
Konvertierung von ChatGPT-Inhalten
Noch etwas einfacher ist es, wenn man Inhalte verwenden möchte, die ChatGPT kreiert hat. Angenommen, wir möchten ein ausführliches Beispiel für die Verwendung des Hauptsatzes der Differenzial- und Integralrechnung verwenden. ChatGPT liefert beispielsweise dies hier.
Klickt man nun auf das Kopieren-Symbol unten links, wird (Stand: 6.11.24) der komplette Inhalt, insbesondere auch die Formeln, in der sogenannten Markdown-Codierung gespeichert, mit dem weder Word noch OneNote allzu viel anfangen können. Mathpix kann dies jedoch sehr einfach in eine Word-Datei konvertieren. Hierzu wählt man „Create Snip from text“ (das Tastatur-Symbol, siehe nächstes Bild), aktiviert „MARKDOWN“ und fügt die ChatGPT-Inhalte in den Eingabebereich ein.
Ein Klick auf „Save“ genügt, um mit einem weiteren Mausklick eine Word-Datei abrufen zu können.
Kosten
Nachvollziehbarerweise halten die Betreiber die Hand auf, wenn man das Tool intensiv nutzen möchte, doch für eine gelegentliche Nutzung ist es kostenlos. Konkret sind 10 „Snips“ pro Monat kostenfrei, wobei sich diese Anzahl verdoppelt, wenn man sich mit der Mail-Adresse einer Bildungsinstitution anmeldet – bei meiner Schul-Mail („blubblubb@annette.ms.de“) war dies so. Die Umwandlung von Markdown in Word-Dateien wird bei dieser Limitierung übrigens nicht dazugezählt.
Für die beschriebenen Einsatz-Szenarien ist dies meines Erachtens vollkommen ausreichend.
Fazit
Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es dann noch: Die Sprache wird in der Windows-App momentan nicht automatisch erkannt und muss von Hand umgestellt werden. Dies bewerkstelligt man, indem man in Word unten auf die eingestellte Sprache „Englisch (Vereinigte Staaten)“ klickt (siehe Bild unten).
In der Webversion besteht dieser Fehler nicht mehr und die Entwickler hatten mir zugesichert, diesen Fehler auch in der Windows-App zu beheben, nachdem ich sie darauf aufmerksam gemachte hatte.
Mathpix gibt es ferner auch Android und die Apple-Welt und damit für sämtliche Mobilgeräte, wodurch man auch gedruckte Mathematik-Aufgaben mittels Kamera direkt digitalisieren und konvertieren kann. Das Resultat wird dann in der Mathpix-Cloud gespeichert und kann bequem am PC abgerufen und weiterverarbeitet werden.
Zusammenfassend ist Mathpix für mich ein Tool, das so manche Aspekte meines Workflows angenehm erleichtert. Beide Daumen hoch!
Seit Beginn dieses Schuljahres unterrichte ich wieder eine 5. Klasse in Mathematik. Die Schüler dieser Klasse bilden einen bunt zusammengewürfelten Haufen, denn die meisten kennen sich nicht, da sie von etlichen verschiedenen Grundschulen stammen.
Um die Vorkenntnisse dieses Haufens besser einschätzen zu kennen, lasse ich die Schüler bereits in der zweiten Woche einen Test schreiben – natürlich unbenotet. Beim diesjährigen Durchgang beherrschten von den 24 Teilnehmern bloß 5 die schriftliche Division mit einem einstelligen Divisor (konkret sollte 8540:4 berechnet werden).
Ich finde es bestürzend, dass es den Grundschulen offenbar mehrheitlich nicht gelingt, den Kindern die schriftlichen Grundrechenarten zu vermitteln! Aber vielleicht finden sich entlastende Hinweis im Kernlehrplan (von NRW)?
Tatsächlich gibt es gegenwärtig zwei Kernlehrpläne, einen neuen und einen auslaufenden. In beiden heißt es einschränkend:
„Die Schülerinnen und Schüler führen die schriftlichen Rechenverfahren der Addition, Subtraktion und Multiplikation sicher aus.“ (Quelle)
Die schriftliche Division muss also nicht sicher beherrscht werden. Bei der auslaufenden Fassung heißt es ergänzend:
„Nicht von allen Schülern wird am Ende des 4. Schuljahres für die schriftliche Division die sichere automatisierte Beherrschung des Standardalgorithmus verlangt.„
Also nicht von allen? Offenbar noch nicht einmal von denjenigen mit einer Gymnasialempfehlung?
Dies bedeutet natürlich nicht, dass die Grundschüler die schriftliche Division gar nicht beherrschen sollen, denn zu den Kompetenzerwartungen am Ende der Klasse 4 gehört nämlich auch Folgendes:
„Die Schülerinnen und Schüler erläutern die schriftlichen Rechenverfahren […] der Division mit Verwendung der Restschreibweise (durch einstellige und wichtige zweistellige Divisoren, z. B. 10, 12, 20, 25, 50).“ (Quelle)
Den nominellen Unterschied zwischen „erläutern“ und „sicher ausführen“ durfte ich in den letzten Wochen selbst erleben, als ich versuchte, meiner Klasse die schriftliche Division beizubringen. Ohne ins Detail zu gehen: Das hat niemandem Spaß gemacht (und 5 der Schüler haben sich gelangweilt).
Die obigen Zitate stammen sämtlich aus der auslaufenden Version des Primarstufen-Kernlehrplans. Bei der neuen Fassung wurde die Anforderung an die Division noch weiter reduziert; man vergleiche:
„Die Schülerinnen und Schüler erläutern die schriftlichen Rechenverfahren […] der Division (durch einstellige Divisoren) mit Verwendung der Restschreibweise.“ (Quelle; dort auf Seite 88)